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Podcast-Tipps

Montag,26. Juli 2010, 23:00 Uhr

Die beiden BBC-Sendungen Discovery und One Planet beschäftigen sich mit Asbest, das hierzulande quasi keine Rolle mehr spielt, in anderen Ländern aber noch ein großes Problem darstellt. Zunächst besucht Discovery ein Asbestbergwerk in Kanada. Obwohl Kanada selbst nur wenig Asbest nutzt, gehört es zu den größten Produzenten. Schuld daran sind hauptsächlich ideologische Gründe.

-> Discovery: Dangers in the Dust

Anschließend reist One Planet nach Indien, in dem Asbest an jeder Ecke zu finden ist. Trotzdem bekannt ist, dass Asbest Ursache für viele Arten von Krebs ist, wird dies in Indien verschwiegen, ignoriert, geleugnet, weil ein Verbot der wirtschaftlichen Entwicklung entgegen stünde.

-> One Planet: Dangers in the Dust

Der Guardian veranstaltet eine Debatte zum “Skandal” über die gehackten Klima-Emails. Die Älteren werden sich erinnern, dass vor einigen Monaten gehackte E-Mails der University of East Anglia veröffentlich wurden, die vor allem im amerikanischen Raum viele eher minder intelligente Konservative als den ultimativen Beweis ansahen, der Klimawandel sei eine große Verschwörung. In den letzten Wochen haben nun alle drei großen Untersuchungskommissionen ihre Ergebnisse abgeliefert und sind zum Schluss gekommen, dass am Vorwurf des erfundenen Klimawandels und des Betrugs der Öffentlichkeit nichts dran ist. Allerdings wurde festgestellt, dass sowohl die Informationspolitik als auch der Umgang mit anderen Meinungen im Argen liegt und vielleicht über eine Novellierung des Peer-Review-Prozesses (dt. Begutachtung durch Ebenbürtige) und ähnlicher Maßnahmen nachgedacht werden sollte. Dies und anderes sind Themen der Diskussion.

-> Guardian: The Guardian’s ‘climategate’ debate in full

Ebenfalls sehr zu empfehlen sind die letzten Folgen des Küchenradios zum Thema Imkern, Tempelhofer Feld und wahrscheinlich auch Gentrifizierung. Dem Imker wurden übrigens zwei seiner drei Bienenvölker gestohlen :(

-> Küchenradio

Zum Schluss natürlich noch die aktuelle Folge von WnYC’s Radio Lab mit dem eher allgemein gehaltenen Titel Oops, die unter anderem behandelt, wie ein patriotischer Psychologe einen Massenmörder schuf, warum zum Schutz eines Vogels Wälder niedergebrannt werden und Menschen sterben und wie ein Wissenschaftler das älteste Lebewesen dieses Planeten tötete. Klingt beim Schreiben grad sehr martialisch, ist aber wie immer absolut hörenswert.

-> Radio Lab: Oops

Limbo

Freitag,23. Juli 2010, 22:21 Uhr

limbo_05.jpg Wald. Dunkel, groß. Bedrohliche Silhouetten, schemenhaft beleuchtet nur durch diffuses Licht im Hintergrund. Keine Farbe. Nur Schwarz, Weiß und die düstre, graue Welt dazwischen. Es ist still. Nur der Wind rauscht durch die weit entfernten Kronen.

Etwas bewegt sich. Zwei Augen. Verwirrt starren sie in den nächtlichen Himmel.

Wo bin ich?

Was ist passiert?

Keine Antworten.

Langsam erhebt sich eine jungenhafte Gestalt aus dem Gras. Und dann laufen. Immer laufen.

Es wird darüber diskutiert, ob Computerspiele Kunst sein können. Limbo (Xbox 360) ist bereits weit jenseits dieser Diskussion. Ganz ohne die überbordende Komplexität modernen Blockbuster-Titel. Das Steuerkreuz zum Laufen, eine Taste zum Springen, eine zum Greifen. Mehr Aktionen erlaubt Limbo nicht - und braucht sie auch gar nicht. Denn Limbo geht einen ganz eigenen Weg.

limbo_02.jpgDer Spieler wird völlig unvermittelt in eine Welt geworfen, die er nicht kennt. Der Junge und der Wald. Mehr gibt es nicht. Also beginnt man zu laufen. Man läuft durch den Wald, immer weiter, läuft einen riesigen Baumstamm hinauf, rutscht einen Abhang hinunter, überspringt eine Grube, überquert einen See, läuft wieder durch den Wald, stirbt. Eine Bärenfalle trennt dem Jungen den Kopf ab. Das Bild wird schwarz.

Diese Wendung kommt so schockierend, dass man ersteinmal tief durchatmen muss. So unvermittelt, grausam und blutig hat noch kein Spiel die eigene Sterblichkeit gezeigt. Als das Bild wiederkommt, steht man wenige Meter vor der Falle. Langsam nähert man sich, vielleicht kann man wie in Prince of Persia dürberlaufen. Tot. Zweiter Versuch: Drüber springen. Tot. Es sind zwei Fallen hintereinander. Schließlich begreift man, dass sich die Fallen auseinander ziehen lassen. Es kann weitergehen. Es wird weitergehen.

limbo_03.jpg Schon wenige Meter hinter den ersten beiden Bärenfallen findet man eine weitere. Doch diese liegt nicht im Weg, ist nicht gefährlich. Sinnlos? Vor der Falle hängt ein Seil von einem Ast, daran baumelt ein undefinierbares etwas. Dass es von Fliegen umschwirrt wird, lässt böses erahnen. Das Seil soll helfen, um auf einen Felsvorsprung zu gelangen. Doch das klappt nicht, der Kadaver und der Junge zusammen am Seil biegen den Ast zu weit nach unten. Man könnte doch die Falle unter das Seil legen, wenn der Kadaver dann tief genug kommt… Kein schwieriges Rätsel, doch zeigt es deutlich, dass in Limbo Tod und Rettung nah bei einander liegen. Spätere Aufgaben werden komplexer. Kisten verschieben, Brücken bauen, die Schwerkraft nutzen, ganze Räume zum Rotieren bringen. Oft gelingt es den Entwicklern, den Spieler in die Irre zu führen, ihn erst etwas falsches versuchen zu lassen - was dann regelmäßig mit dem Tod endet. Hat man aber schließlich die zündende Idee, ist das wohlige Gefühl des Erfolgs umso stärker.

Der düstere Grafikstil macht einen großen Teil der beklemmenden Atmosphäre aus, ist aber doch nur ein Teil des Ganzen. Die Klanguntermalung ist minimalistisch. Man hört den Wind, das Tappsen der Schuhe, ab und zu ein Tier. Besondere Szenen werden auch musikalisch untermalt - nach der vorherigen Stille wirkt das natürlich umso stärker.
limbo_04.jpgEs wird während des gesammten Spiels kein einziges Wort gesprochen, es gibt keine Texte, keine nicht-spielbaren Szenen. Die Todesanimationen sind alle nichts für schwache Nerven, obwohl und weil auch sie nur stilisiert stattfinden. Doch auch dies ist ein wichtiger Teil der Inszenierung.

Faszinierend auch, dass in Limbo nicht gekämpft wird. Man selbst hat keine Möglichkeit anzugreifen und die sporadisch auftauchenden Gegner lassen es nicht erst zu einem Kampf kommen. Es bleibt nur die Flucht. Auch hier werden, wie bei den Fallen, aus Feinden machmal Helfer - ungewollt, natürlich.

So wird Limbo zu einem Kunstwerk, einem emotionalen Trip in die Abgründe einer unbekannten Welt. Trauer, Entsetzen, ja sogar Ekel und totale Verstörung, Erleichterung und Freude gehen hier Hand in Hand und lassen den Spieler mehr als einmal atemlos vor dem Bildschirm innehalten.

Limbo gibt es im Xbox-Marketplace für 1200 Punkte, was etwa 14€ entspricht. Bei einer Spielzeit von drei bis sechs Stunden ein recht happiger Preis, und doch ist Limbo jeden einzelnen Euro wert, weil auch nach dem Abspann ein Gefühl bleibt, wie man es sonst nur von guten Büchern oder Filmen kennt. Soetwas vergisst man nicht.

Kunst eben.


Limbo ist schwer zu erklären, auch der Trailer schafft das nicht. Wer jetzt noch NICHT mit dem Gedanken spielt, sich Limbo zu kaufen, der kann dieses Gameplay-Video anschauen, das einen längeren Abschnitt des Spiels zeigt, inklusive Lösungen.

Limbo ist Teil des Summer of Arcade.

Einer von 150 Menschen

Mittwoch,21. Juli 2010, 21:39 Uhr

Ring, Ring

Popanz*?

Guten Tag, mit wem spreche ich genau?

Popanz.

Hallo, ich bin Frau Schnacks* von der Gebührenzentrale soundso. Haben Sie heute schon in den Briefkasten geschaut?

Nö.

Sie haben den Brief schon bekommen. Dann gratuliere ich Ihnen.

Welchen Brief?

Sie sind einer von 150 Gebührenzahlern, die ausgewählt worden sind. Viele Menschen nervt die Werbung nur noch, darum

Von welcher Werbung reden Sie?

wurden jetzt 150 Leute ausgewählt, die die Werbung beurteilen sollen. Wenn Sie Fernsehen schauen

Moment mal, ich schaue weder Werbung noch Fernsehen, das ist bestimmt ein Irrtum.

dann drücken Sie einfach auf der Fernbedienung ob Ihnen die Werbung gefällt.

Ich möchte die Fernbedienung nicht!

Die Fernbedienung wird Ihnen zugeschickt und

Klick.

Sachen gibts. Ob der Brief wohl wirklich im Kasten liegt? Vermutlich nicht. Und was wäre gewesen, wenn ich ja gesagt hätte? Wäre der Brief dann morgen gekommen?

*Name geändert.

Nachtrag: Da sind Betrüger am Werk. (Überraschung! :P) Hätte ich das eher gewusst, hätte ich mal drauf eingehen können :(

Köhlers letzte Rede

Mittwoch,21. Juli 2010, 16:21 Uhr

Am 27. Mai 2010 hat Horst Köhler beim Weltverkehrsforum in Leipzig eine Rede zur Aufgabe der Logistik gehalten. Vier Tage später trat er dann zurück. Nicht wegen der Rede natürlich. Aber es ist gut möglich, dass es seine letzte Rede als Bundespräsident war.

Und ich muss sagen, ich konnte mit Herrn Köhler nicht viel anfangen, aber diese Rede ist richtig gut. So gut, dass es lohnt sich, die Aufzeichnung anzuschauen: Im Webcast-Player links auf Seite 2 schalten, die deutsche Version ist dann links die zweite von oben´ ODER man empfiehlt sich das Video selbst und erhält diesen Direktlink zum Video. Ein Transskript gibt es auch, ich empfehle aber das Video.

Macht nachdenklich, motiviert aber auch. Wirklich nicht schlecht.

WNYC - Radiolab

Mittwoch,02. Juni 2010, 21:23 Uhr

Vor einigen Monaten empfahl mir Ralf Müller-Schmid im Medienradio einen Podcast, den ich mittlerweile ohne Einschränkungen als den besten der gesamten mir bekannten Podosphäre bezeichne: WNYC - Radiolab

Nachfolgend ein paar der letzten Sendungen. Anhören und lieben lernen:

Deception
Lügner sind glücklicher.

Do I Know You?
Über die Mutter am Telefon, die Angesicht zu Angesicht dann doch keine Mutter mehr ist.

The Bus Stop
Wie ein Deutscher Demenzkranke mit Bushaltestellen einfängt.

Limits
Kriechende Männer aus Eisen, afghanischer Reiterhorden und widerspenstige Journalisten zeigen unsere Limits auf.

Vanishing Words
Agatha Christie reflektiert über ihre eigene Demenz. Nachprüfbar mit Buch 73.