Konrad Lischka hat nichts verstanden und Tim Schafer alles richtig gemacht
Kommentar hinzufügen Veröffentlicht am Freitag, 10. Februar 2012 in Gelesen, Zeitgeschehen, NetzkulturIm Spiegel schreibt Konrad Lischka Die Feinde der “Contentmafia” sind Heuchler. Dass so ein Artikel genau dann erscheint, nachdem SOPA und PIPA erstmal vom Tisch sind und der Kampf gegen ACTA erste Erfolge erzielt, ist bezeichnend. Das Urheberrecht hat viele Feinde, die es am liebsten komplett abschaffen wollen? Ist das ein Fakt, oder hat er sich das nur ausgedacht? Warum wiederholt er das so oft? Damit es wahrer klingt?
Von allen technischen, juristischen und ökonomischen Unzulänglichkeiten der heutigen Umsetzung einmal abgesehen: Das Urheberrecht ist ein großartiges Konzept. Es gibt Schöpfern die Freiheit, in einer kapitalistischen Marktwirtschaft mitzuspielen.
Für manche mag das ja tatsächlich so sein. Für andere ist es vor allem der Zwang, in der kapitalistischen Marktwirtschaft mitzuspielen. Wer nichts verkauft, verhungert oder gibt seine Kunst auf. Das ist dann die große Freiheit?
Das ist auch das Problem bei Ideen wie der Kulturflatrate: Da würden Urheber zwar vergütet, vielleicht abhängig von der Nutzung ihrer Werke im Web. Aber dieses Modell würde die Freiheit der Urheber einschränken, marktwirtschaftlich zu handeln.
Warum sollte eine Kulturflatrate das einschränken? Sie soll doch nicht alle Vertriebswege ersetzen, sondern genau den Urhebern die Möglichkeit geben, mit etwas Geld zu verdienen, das sie sowieso nicht verhindern können: Den “Raubkopien”.
Das ist insofern befremdlich, als die Kritiker niemals die kapitalistische Marktwirtschaft an sich in Frage stellen.
Nein? Was soll man dazu noch sagen…
Mehr Vertrauen in die Menschheit hatten Tim Schafer und Ron Gilbert. Die beiden sind recht legendäre Spieledesigner und haben sich zusammen getan, um ein Point’n'Click-Adventure zu machen, ganz im Geiste der alten Tage. Sowas verkauft sich natürlich gar nicht gut, darum wollte es auch keiner der Publisher finanzieren. Die Idee war aber zu gut um aufgegeben zu werden.
Also haben die beiden dazu aufgerufen, ihr Projekt per Crowdfunding zu finanzieren (der große Schwarm finanziert das Projekt). Das Ziel waren 400.000 Dollar in 33 Tagen. Was kam raus? 1,2 Millionen Dollar nach den ersten acht Stunden. Das hat so ziemlich alle umgehauen und sollte den Publishern doch zu denken geben. Es sind ja auch noch 32 Tage Zeit, um die Summe weiter zu erhöhen. Die Entwickler haben schon einige Ideen, wie die Mehreinnahmen eingesetzt werden können.
Auf jeden Fall: Es will keiner für Content bezahlen?
Geh sterben!
Bitcoin: Sicherheit und Datenschutz (Teil 2 von 2)
3 Kommentare Veröffentlicht am Montag, 6. Februar 2012 in Software, TechnikZweiter und letzter Teil. In Teil 1 ging es um die Sicherheitsmechanisman, die Bitcoin nutzt.
Datenschutz und Anonymität
In der öffentlichen und medialen Berichterstattung wird das Bitcoin-System oft als anonym bezeichnet und diesbezüglich mit Bargeld verglichen. Ein erster Blick bestätigt diese Vermutung. Um Dienste wie Paypal oder Moneybookers nutzen zu können, muss man die Daten für ein bereits bestehends Bankkonto oder einer Kreditkarte hinterlegen. Damit liegen bereits direkt beim Anbieter verifizierte Daten wie der eigene Name, die Kontonummer und ähnliches vor. Durch Kommunikation mit der Bank des Teilnehmers lassen sich noch deutlich mehr Daten erfahren. Um mit Bitcoins handeln zu können, wird hingegen nur eine Software benötigt. Es ist keine Registrierung notwendig, nicht einmal eine E-Mail-Adresse. Alle Transaktionen finden nur zwischen den im Abschnitt Adressen dargestellten Adressen statt.
Benutzt man für alle Transaktionen nur eine einzige Bitcoinadresse, erreicht man bereits die Anonymität eines Geschäftsbeziehungspseudonyms. Bitcoin motiviert aber die Erstellung einer neuen Adresse für jede Transaktion. Den Nutzer kostet dies eine sehr kleine Menge Speicherplatz, auf das Netzwerk hat die Erstellung einer Adresse überhaupt keine Auswirkungen. Im Original-Client wird automatisch nach jeder Transaktion eine neue Adresse vorgeschlagen. Durch diese Nutzung der Adressen erreicht man die Anonymität eines Transaktionspseudonyms. In herkömmlichen Systemen hat man mit der Kontonummer meist ein nichtöffentliches Personenpseudonym. Die Zuordnung zu einer Identität ist nur wenigen Stellen bekannt, so lange kein Name zur Nummer angegeben wird. Die von Bitcoin erreichte Anonymität ist zunächst also deutlich stärker als die anderer Geldsysteme, mit Ausnahme von Bargeld.
Rückverfolgbarkeit
Durch die Veröffentlichung jeder Transaktion an alle Teilnehmer und die Struktur der Transaktionsgeschichte ermöglicht Bitcoin allerdings die totale Rückverfolgbarkeit von Geld. Dies ist in anderen Zahlungssystemen nur schwer oder gar nicht möglich und ist eine Besonderheit der Bitcoins. Sobald durch das Erzeugen eines Blocks ein Nutzer A Bitcoins gutgeschrieben bekommt, wird dies in einer Generierungs-Transaktion öffentlich festgehalten. Nutzt A nun dieses Geld, um einem Nutzer B etwas zu überweisen, prüft Nutzer B, dass die Bitcoins wirklich A gehörten. Diese Kette wird immer weiter gereicht, so dass irgendwann ein Nutzer K, und alle anderen Teilnehmer des Bitcoin-Netzwerks das von K erhaltene Geld über alle Stationen hinweg bis zurück zu ihrer Generierung für A zurückverfolgen können. Betrachtet man das Netzwerk nur für sich, hat das keine Auswirkungen auf die Anonymität. Die Nutzung von Bitcoins wäre aber sinnlos, wenn man mit ihnen nichts kauft. Doch sobald die Bitcoins gegen Waren und Dienstleistungen oder andere Währungen ausgetauscht werden, beginnt die Anonymität zu sinken.
Deanonymisierung
Im Folgenden soll grob ein Szenario skizziert werden, in dem Bitcoinadressen eines Online-Shop-Kunden ihre Anonymität verlieren. Ein Nutzer Bob besitzt mehrere Bitcoin-Adressen, darunter die beiden Adressen 12yfLbr und 16u9P3E mit je vier Bitcoins. Er kauft beim Online-Händler Shop42 ein Buch und bezahlt dafür sechs Bitcoins an die Händler-Adresse 1KvBAbv.
Um die Ware zu sich nachhause geliefert bekommen zu können, muss er seinen echten Namen und seine Adresse beim Händler hinterlegen. Die Transaktion, mit der die Ware in Bitcoins bezahlt wird, wird dem
Netzwerk bekanntgegeben. Jeder Nutzer hat jetzt folgende Informationen zur Verfügung:
- Die Input-Adressen 12yfLbr und 16u9P3E gehören ein und demselben Nutzer X
- Nutzer X hatte vor der Transaktion auf beiden Adressen je vier Bitcoins
- Output-Adresse 1KvBAbv erhält sechs Bitcoins, Adresse 19eLAtL erhält zwei Bitcoins (das übrig gebliebene Wechselgeld)
Jedem Teilnehmer ist also bekannt, dass die zwei Bitcoin-Adressen einem Nutzer gehören, dem wahrscheinlich auch noch eine der Output-Adressen gehört. Dies ist noch kein Bruch der Anonymität. Der Händler
aber kann den Input-Adressen den Namen und die Lieferadressen aus seiner Kundendatenbank zuordnen. Außerdem weiß er, welche der Output-Adressen ihm selbst gehört, und welche Adresse für das Wechselgeld bestimmt ist. Die ihm vorliegenden Informationen sind also schon viel präziser:
- Die Adressen 12yfLbr und 16u9P3E gehören Käufer Bob, wohnhaft in Dresden, Rathausstraße 24
- Käufer Bob besitzt insgesamt acht Bitcoins
- Käufer Bob kauft das Buch “Datenschutz für Dummies” für sechs Bitcoins
- Käufer Bob besitzt nach dem Kauf noch zwei Bitcoins auf Adresse 19eLAtL
Wenige Tage später enthält eine Transaktion zwei Bitcoins von Bobs Adresse 19eLAtL und weitere sechs Bitcoins von einer anderen Adresse 12cbQLT. Die Output-Adresse 1Q2TWHE erhält fünf Bitcoins und Adresse 1JhxuRH erhät drei Bitcoins. Für jeden Nutzer außer Bob und dem Händler sehen die Informationen wieder so aus, wie in der ersten Transaktion beschrieben. Der Händler kann aber sein Wissen auf diese Transaktion anwenden und weiß zusätzlich nun auch:
- Bob besitzt zusätzlich die Adresse 12cbQLT mit sechs Bitcoins
- Bob besitzt entweder die Adresse 1Q2TWHE mit fünf Bitcoins oder die Adresse 1JhxuRH mit drei Bitcoins
Später erhält der Händler eine Bestellung, die von Adresse 1JhxuRH bezahlt wird. Durch Verknüpfung mit seiner Kundendatenbank erhält er nicht nur Informationen zu Alice, der die Adresse gehört, sondern auch weitere Informationen zu Bob, denn er weiß jetzt, weche der beiden Output-Adressen zu ihm gehört:
- Bob besitzt die Adresse 1Q2TWHE mit fünf Bitcoins
Bekommt Bob von einem weiteren Nutzer auf eine seiner bekannten Adressen eine Einzahlung, etwa drei Bitcoins auf 1Q2TWHE, wird auch dies dem Händler bekannt. Er weiß insgesamt also:
- Die Adressen 12yfLbr und 16u9P3E gehören Käufer Bob, wohnhaft in Dresden, Rathausstraße 24
- Käufer Bob wohnt in Dresden, Rathausstraße 24
- Käufer Bob besitzt insgesamt acht Bitcoins
- Käufer Bob kauft das Buch “`Datenschutz für Dummies”‘ für sechs Bitcoins
- Käufer Bob besitzt nach dem Kauf noch zwei Bitcoins auf Adresse 19eLAtL
- Bob besitzt die Adresse 1Q2TWHE mit acht Bitcoins
- Bob hatte einen finanziellen Kontakt mit Alice
Diese Liste lässt sich solange erweitern, wie die bekannten Adressen für eingehende oder ausgehende Transaktionen verwendet werden. Zusätzlich hat der Händler analoge Informationen zu den Adressen von Alice und allen weiteren seiner Kunden, die mit Bitcoins bezahlen. In diesem Szenario findet der Kontakt zwischen zwei der Kunden direkt statt, je nach Kundenanzahl des Händlers sind solche Direktverbindungen wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher. Aber auch indirekte Verbindungen können weiterverfolgt werden, da ja alle Transaktionen offen liegen. Die Beziehungen der einzelnen Adressen lassen sich umso leichter verknüpfen, desto öfter eine Adresse wiederverwendet wird. Eine ähnliche Verknüpfbarkeit wie dargestellt gibt es natürlich auch, wenn Bitcoins im Tausch gegen eine andere Währung gekauft werden.
Diese Deanonimisierbarkeit hat auch Auswirkungen auf die unter Abschnitt Adresswechsel und Sicherheit der Geldbörse beschriebenen Angriffe. Dem Angreifer nutzen die Bitcoins nichts, wenn er sie nicht irgendwann gegen eine andere Währung oder eine Ware austauscht. Gelingt es dem Diebstahlsopfer oder einer Strafverfolgungsbehörde, innerhalb des weiteren Weges der Bitcoins die Identität eines Adressinhabers festzustellen, kann die Kette eventuell bis zurück zum Angreifer aufgelöst werden.
Es ist möglich, eine einmal erfolgte Deanonymisierung wieder aufzuheben, indem man die kompromittierten Adressen mit einem anderen Nutzer tauscht. Dies kann zum Beispiel über einen Mixing-Service geschehen: Viele Nutzer zahlen ihre Bitcoins in einen großen Pool ein, aus dem sie dann wieder Geld abheben. Die Anonymität eines solchen Mixes steigt mit der Zahl der Nutzer. Problematisch ist, dass der Anbieter des Service letztendlich im Besitz aller Bitcoins der Nutzer ist und dieses auch für sich selbst nutzen kann. Es ist also ein hohes Maß an Vertrauen erforderlich.
Eine weitere Angriffsmöglichkeit auf die Anonymität stellt das Abhören des Netzwerkverkehrs dar. Kann etwa ein Internet Service Provider zuordnen, von welcher IP-Adresse eine Transaktion an das Bitcoin-Netzwerk gesendet wurde, kann er die Absenderadresse und die bei ihm zur entsprechenden IP vorliegenden Daten verknüpfen und die Anonymität auflösen. Einen Schutz dagegen bietet die Nutzung eines Anonymisierungsdienstes wie Tor.
Analyse der Anonymität durch Reid und Harrigan
Um Bitcoin-Adressen mit Informationen zu dessen Inhabern verknüpfen zu können, ist nicht unbedingt der direkte Kontakt zu den Nutzern erforderlich. Eine andere Möglichkeit besteht darin, zum Beispiel Foren nach Bitcoin-Adressen abzusuchen, und zusammen mit den Nutzernamen der Poster und wenn vorhanden auch deren weiteren Kontaktdaten abzuspeichern. Diese Daten können dann wiederum für weitere Suchen verwendet werden.
Die bislang wohl umfangreichste Studie der Auswirkung der öffentlichen Transaktionshistorie erfolgte durch Fergal Reid Martin Harrigan. In ihrer Analyse betrachteten sie alle zwischen dem 3. Januar 2009 und dem 12. Juli 2011 erfolgten Transaktionen. Aus den Daten erstellen sie zwei Netzwerk-Graphen. Im Transaktions-Netzwerk repräsentiert ein Knoten eine Transaktion und jede gerichtete Kante zwischen zwei Knoten den Output an der Quelle und den entsprechenden Input am Ziel. Im Nutzer-Netzwerk steht jeder Knoten für einen Nutzer und jede Kante für eine Transaktion. Entgegen der Erwartung der Autoren lassen sich aus dem Nutzer-Netzwerk viele zyklische Verbindungen ablesen, anstatt in viele nicht verbundene Einmaladressen aufgeteilt zu sein. Trotz der Empfehlung, Adressen nicht wieder zu verwenden, scheinen viele Nutzer also nicht ständig neue Adressen anzulegen, was die Anonymität der genutzten Adressen vermindert.
Um den Adressen indentifizierende Informationen zuordnen zu können, sammelt man zunächst öffentlich gemachte Adressen, die bereits mit anderen Daten verbunden sind. Das können zum Beispiel die IP-Adressen von Spendern auf einer Bitcoin-Spendenwebseite sein oder von den Nutzern selbst in einem Forum oder auf Twitter unter ihrem Nutzernamen veröffentliche Adressen. Diese Daten werden zusammen gespeichert. Mit Hilfe der jetzt schon vorhandenen Informationen können weitere Daten gesammelt werden, zum Beispiel über andere Dienste bei denen der gleiche Nutzername verwendet wird. Diese Daten werden nun den Adressen im Transaktions-Netzwerk zugeordnet. In vielen Transaktionen tauchen dann als Input bereits bekannte zusammen mit bislang unbekannten Adressen auf. Diese Adressen müssen aber zwingend dem gleichen Nutzer gehören. Durch die Wiederverwendung der Adressen werden so viele bisher unbekannte Adressen mit Informationen zu ihrem Besitzer verbunden. Da nun bekannt ist, welche Adressen welchem Nutzer gehören, entstehen auch bislang unentdeckte Verbindungen zwischen den Knoten im Nutzer-Netzwerk.
Die Autoren wenden ihre Analysemethode auch auf den unter beschriebenen Diebstahl an und können die komplizierten Verschleierungstransaktionen des Angreifers nachvollziehen und übersichtlich darstellen.
In ihrer Arbeit nutzen die Autoren nur eine passive Analyse und merken an, dass mit aktivem Eingreifen in das Netzwerk noch deutlich mehr und detailiertere Informationen gewonnen werden können. Denkbar wäre etwa eine Verbindung der aus der Netzwerkanalyse ermittelten Daten mit solchen Informationen, wie sie dem Händler zur Verfügung stehen. Das Bitcoin-Netzwerk könnte so Eigenschaften eines sozialen Netzwerkes bekommen, welches man wiederum mit dafür geeigneten Methoden analysieren und verfeinern kann.
Fazit
Bitcoin ist der aktuellste Versuch, ein zu Bargeld analoges Bezahlsystem im Internet zu etablieren. Es setzt dabei auf eine dezentrale Struktur ohne vertrauenswürdige Drittparteien. Über die Korrektheit einer Transaktion entscheidet, wer am meisten Rechenkapazität investiert hat. Dabei wird davon ausgegangen, dass immer eine Mehrzahl an ehrlichen Teilnehmern im Netz agiert. Die für die Signierung und Validierung der Transaktionen und das Erzeugen neuer Blöcke verwendete Kryptographie ist heute als sicher anzusehen. Ein Angreifer kann aber außerhalb des Systems ansetzen. Gelingt es ihm, private Schlüssel mit deren Bitcoins zu stehlen, ist der Schaden für den Betroffenen nicht wieder rückgängig zu machen. Gleiches gilt für den Verlust der Geldbörse. Ob die Sicherheitsmaßnahmen genügen, liegt also zu einem großen Teil am Verhalten des Nutzers. Durch die Struktur von Bitcoin lassen sich einmal gemachte Transaktionen nicht rückgängig machen. Dieses Risiko muss jedem Nutzer bewusst sein.
Auch die Bitcoin oft nachgesagte Anonymität hängt vor allem davon ab, welche Daten die Nutzer mit ihren Bitcoinadressen verbinden. Für sich gesehen erreicht das System eine sehr hohe Anonymität. Durch die Verknüpfung mit Daten die beim Kauf von Waren und Dienstleistungen anfallen oder die an einer Stelle öffentlich gemacht wurden kann diese Anonymität schrittweise immer weiter reduziert werden. Die Deanonymisierung eines einzelnen Nutzers kann durch die Verkettung der Transaktionen auch zur Deanonymisierung weiterer Nutzer führen. Auch hier gilt also, dass den Nutzern bewusst sein muss, dass sie selbst für ihre Anonymität die Verantwortung tragen.
Quellen/Literatur
- Satoshi Nakamoto: Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System. (2008) http://www.bitcoin.org/bitcoin.pdf
- Wei Dai: b-money (1998) http://www.weidai.com/bmoney.txt
- David Chaum, A. Fiat,M. Naor: Untraceable electronic cash. In Proceedings on Advances in Cryptology. (1990)
- Birgit Pfitzmann, Michael Waidner, Andreas Pfitzmann: Rechtssicherheit trotz Anonymität in offenen digitalen Systemen. (1990)
- National Institute of Standards and Technology (NIST): Digital Signature Standard (DSS). http://csrc.nist.gov … 186-3/fips_186-3.pdf
- National Institute of Standards and Technology (NIST): Secure Hash Standard.
http://csrc.nist.gov … s180-2/fips180-2.pdf - Mike Hearn (Bitcoin-Entwickler): Aus einem Forumseintrag https://bitcointalk. … ex.php?topic=10697.0 https://bitcointalk.org/?topic=2699.0
- Adam Back: Hashcash - a denial of service counter-measure. (2002) http://www.hashcash. … /papers/hashcash.pdf
- Bitcoin-Wiki: https://en.bitcoin.i … /wiki/Confirmation10. Garrett Burgwardt: http://thebitcoinsun … -Bitcoin-Stress-Test
- Forumsbericht über einen behaupteten Bitcoin-Diebstahl: https://bitcointalk. … ex.php?topic=16457.0
- Oracle Berkley DB http://www.oracle.co … rkeley-db/index.html
- Thomas Fischermann (Zeit.de): Anarcho-Geld (30.06.2011) http://www.zeit.de/
2011/27/Internet-Bitcoins - Christian Stöcker (Spiegel.de): Geld aus der Steckdose (31.05.2011) http://www.spiegel.d … ,1518,765382,00.html
- Fergal Reid, Martin Harrigan: An Analysis of Anonymity in the Bitcoin System (2011) http://arxiv.org/abs/1107.4524
Bitcoin: Sicherheit und Datenschutz (Teil 1 von 2)
3 Kommentare Veröffentlicht am Freitag, 3. Februar 2012 in Software, TechnikDer folgende Text entstand im Rahmen des Hauptseminars Technischer Datenschutz. Wer ihn nicht im Blog lesen möchte, kann sich auch die PDF-Version herunterladen. Der Blogtext ist leicht verändert (keine Formeln, mehr Bilder), die Quellenverweise im Text gibts nur im PDF. Das Quellenverzeichnis findet sich am Ende von Teil 2 (kommt in wenigen Tagen).
Einleitung
Zeitgleich mit dem Wachstum des kommerziellen Handels im Internet wuchs auch der Wunsch nach einem einsatzfähigen digitalen Zahlungsmittel. Bitcoin ist der Versuch, elektronisches Geld ohne Bindung an eine analoge Währung bereitzustellen. Bitcoin ist die heute aktuellste Implementierung einer elektronischen Währung. Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde es im Jahr 2008 durch Satoshi Nakamoto, veröffentlicht wurde eine erste Version im Januar 2009. Die technischen Grundlagen, auf denen es aufbaut, bestehen für sich allerdings schon deutlich länger. Ein direkter Vorgänger von Bitcoin ist das von Wei Dai bereits 10 Jahre eher vorgestellte Konzept des b-money, welches bereits die Möglichkeit des Erzeugen von Geldes durch einen Proof-Of-Work vorstellte, aber nie über den Status einer Idee hinaus kam. Ein noch früherer Vorgänger ist das von David Chaum entwickelte und von der Firma DigiCash vertriebene eCash. Obwohl eCash technisch ausgereift war, bereits die Möglichkeit anonymen Geldzahlens und -empfangens bot und auch einige Verbreitung fand, ging es in Folge des Bankrotts der Firma DigiCash unter. Einen großen Bekanntheitsgrad erlangte Bitcoin im Sommer des Jahres 2011, als es im Zusammenhang mit Drogengeschäften und dem Anstieg des Tauschkurses auf bis zu 30 Dollar pro Bitcoin auch außerhalb des Internets zum Thema in den Medien wurde. Ob Bitcoin sich neben konkurierenden, bereits etablierten Systemen wie Paypal behaupten kann, wird neben rechtlichen Fragen vor allem auch von den implementierten Sicherheitsmechanismen abhängen, die im Folgenden genauer betrachtet werden sollen.
Eigenschaften von Bitcoin
Es soll hier nur ein kurzer Überblick über das Bitcoin-System gegeben werden. Für die Sicherheit wichtige Eigenschaften werden später näher vorgestellt.
Die wichtigste Eigenschaft von Bitcoin ist seine Dezentralität. Alle Daten wie Transaktionen und Geldschöpfungen werden in einem Peer-To-Peer-Netzwerk verteilt, anstatt durch eine zentrale Stelle verwaltet zu werden. Transaktionen zwischen den Teilnehmern des Netzes erfolgen über digitale Pseudonyme. Die Transaktionen werden signiert und in einer für alle Teilnehmer öffentlichen Historie gespeichert. Sowohl die Bitcoins als auch die Pseudonyme der Teilnehmer sind öffentliche Schlüssel eines Schlüsselpaars. Um mit Bitcoins handeln zu können, muss der Nutzer eine Open-Source Software herunterladen und installieren. Diese Software erzeugt eine elektronische Geldbörse, welche den Speicherplatz für die Bitcoins und Adressen des Nutzers darstellt.
Wahlen in Taiwan - Kurze Nachbetrachtung
Kommentar hinzufügen Veröffentlicht am Montag, 16. Januar 2012 in TaiwanEine Menge Links zu lesenswertem Materials gibt es wieder auf intaiwan.de.
Die KMT-Regierung darf also weitere vier Jahre ran und hat, entgegen den Erwartungen mit doch recht deutlichen 6% Vorsprung die Wahl gewonnen. Allerdings sind es gegenüber der Wahl 2008 auch 7% weniger geworden, bei der oppositionellen DDP immerhin 4% mehr. Das könnte ein Zeichen der Wähler sein, es mit der Annäherung an China nicht zu übertreiben.
Die Wahlbeteiligung war mit 74% etwas niedriger als in der vorherigen Wahl, aber immer noch höher als die Wahlbeteiligung an der Wahl zum deutschen Bundestag 2009 (70,78%). Tatsächlich war die Bereitschaft, wählen zu gehen, noch deutlich höher als die 4% Unterschied vermuten lassen: In Taiwan gibt es keine Möglichkeit zur Briefwahl. In Deutschland wiederum machten Briefwähler über 21% der Wähler aus. In Taiwan führt das dazu, dass sehr viele im Ausland arbeitende/lebende Leute zur Wahl extra nach Taiwan fliegen.
Generell ist die Wahlbegeisterung in Taiwan eine ganz andere, vor allem auch bei jungen Leuten. So lange können die Taiwaner ja auch noch nicht frei wählen, und im Gegensatz zur BRD macht es in Taiwan tatsächlich einen Unterschied, welche der beiden großen Parteien die Regierung stellt, obwohl die Gegensätze in der China-Frage mittlerweile nicht mehr ganz so groß sind.
Vokabeln lernen ohne System
2 Kommentare Veröffentlicht am Sonntag, 15. Januar 2012 in Gelesen, SoftwareEine Sprache zu lernen wäre ein großer Spaß, wären da nicht die vielen unbekannten Wörter. Ohne Vokabeln pauken aber kein Fortschritt. In der Schule war man gezwungen zu lernen, wollte man in der nächsten Klausur nicht gar zu schlecht abschneiden. Mit etwas Glück hat man ein paar der Wörter auch nach dem Test noch im Gedächtnis behalten. Außerhalb der Schule gibts solche Zwänge kaum und die Motivation muss anders geschaffen werden. Es soll im Folgenden aber gar nicht so sehr darum gehen, wie man sich motiviert, sondern wie man Vokabeln effektiv lernen kann. Wir werden aber sehen, dass beides recht eng verknüpft ist.
Vokabelkarten (Flashcards) sind ein bekanntes und bewährtes Mittel, sich den Stoff einzuprägen. Die Frage auf der einen, die Antwort auf der anderen Seite, klar. Aber wie nutzen?
Ich habe vor etwa fünf Jahren begonnen, Chinesisch zu lernen. Eine lange Zeit und ich kann leider nicht behaupten, weit gekommen zu sein. Das hat eine Menge Ursachen, eine wichtige ist aber meine undurchdachte Herangehensweise ans Vokabelnlernen. Etwa zeitgleich hatte ich einen Chinesischkurs an der Uni und einen Onlinekurs (Chineselearnonline.com) begonnen. Für den Kurs an der Uni habe ich nie Vokabelkarten angelegt, weil es in den Lehrbüchern genügend Übungen gab und die Schreibübungen regelmäßig von der Lehrerin eingesammelt und kontrolliert wurden, Übung gab es hier also automatisch genug.
Diese “beaufsichtigten” Übung fehlten im Onlinekurs natürlich. Also habe ich mir irgendwann ein Flashcardprogramm gesucht, um besser üben zu können. Ich weiß nicht mehr genau warum, aber Chinese Practice hatte mich damals überzeugt. Die Oberfläche gefiel mir, das Programm war speziell für Chinesisch programmiert, mit Wörterbuchunterstützung und eben den elementaren Funktionen, die so ein Programm braucht.
Hier ist ein kurzer Ausflug in die Besonderheuten des Chinesischen nötig. Es gibt in dieser Sprache keine Buchstaben, sondern Schriftzeichen. Von denen Gibt es fast 90.000, genutzt werden heute etwa 8000 und 99% der Texte in Zeitungen und Co. kann man verstehen, wenn man die 3000 meistgenutzen Zeichen kennt. Jedes dieser Zeichen hat eine bestimmte Bedeutung und eine Aussprache, die sich (fast) nicht ablesen lässt. Man muss also für ein Schriftzeichen lernen, wie man es schreibt, wie man es spricht und was es bedeutet. Da die Anzahl der Silben mit unter 450 im sehr viel kleiner ist als die Anzahl der Schriftzeichen, gibt es eine große Anzahl an Homophonen. Das sind Wörter mit gleicher Aussprache aber unterschiedlicher Bedeutung. Um sich trotzdem mündlich verständigen zu können, bestehen viele Vokabeln aus mindestens zwei Schriftzeichen. So wird etwa das Wort Freund aus zwei Schriftzeichen geibldet, die beide für sich auch Freund heißen:
朋 péng (Freund) + 友 you (Freund) = 朋友 péngyou (Freund)
計jì (planen) + 程 chéng (Reise) + 車 chē (Fahrzeug) = 計程車 jìchéngchē (na, wer errät es?)
Ich habe also begonnen, die neuen Vokabeln jeder Lektion in das Programm zu übernehmen. Zum einen die einzelnen Schriftzeichen, als auch die Vokabeln, also die Kombinationen der Schriftzeichen. Für jede Lektion eine Datei. Dann jeden Tag üben und jede Lektion solange durchgehen, bis man alles kann. Je mehr Lektionen es wurden, desto weniger konnte ich pro Tag üben. Also machte ich am Montag Lektion 1-10, am Dienstag 11-20 und so weiter. Durch die obene beschriebene Struktur des Chinesischen kommt es so zu vielen Wiederholungen, die man nicht braucht. Ein Beispiel sind etwa die Monate:
一 yi (eins) + 月 yuè (Monat) = 一月 yiyuè (Januar)
二 èr (zwei) + 月 yuè (Monat) = 二月 eryuè (Februar)
三 san (drei) + 月 yuè (Monat) = 三月 sanyuè (März)
十 shí (zehn) + 二 èr (zwei) + 月 yuè (Monat) = 十二月 shíèryuè (Dezember)
Also die Zahlen eins bis zwölf plus das Wort für Monat/Mond. Analog funktioniert das für die Wochentage. Für viele verschiedene Vokabeln nutzt man also immer die gleichen Zeichen, die noch dazu ziemlich einfach sind. Also eigentlich nichts, was man üben müsste. Die Vokabelkarten werden davon aber regelrecht überschwemmt.
Also habe ich nach 40 Lektionen angefangen, zu selektieren. Ich habe alles zusammengefasst zu 10er-Blöcken von Lektionen und sich oft wiederholende und ähnelnde Vokabeln ausselektiert, ebenso wie Schriftzeichen, die nicht alleinstehend genutzt werden. Dabei habe ich besonders auch ein rein subjektives, gefühltes Kriterium “einfach” angewandt. Ziemlich gefährlich, schließlich konnten so Vokabeln rausgeworfen werden, die ich dann doch irgendwann vergaß, weil ich sie eben nie mehr geübt hatte. Bis zur Lektion 130 habe ich das dann so weitergemacht und hatte schließlich knapp 500 Einträge in 14 Dateien. Das macht etwa 35 Vokabeln pro Block. Angezeigt wurde immer die Bedeutung, ich musste die Aussprache wissen und die Vokabel in Schriftzeichen schreiben können (auf echtem Papier). Das dauert schon seine Zeit. Innerhalb einer Woche sind kaum alle Lektionen zuschaffen, wenn man das ganze nur nebenbei macht. Also habe ich begonnen, mir aus den Lektionen Sätze zu suchen, die neben der neuen Vokabel noch möglichst viele Vokabeln aus den vorhergehenden Lektionen enthielten, damit ich diese automatisch mitwiederhole. Das führte natürlich auch dazu, dass jede Sitzung noch länger gedauert hat. Die “Logistik”, was ich wann wiederholen muss hat so einen immer größeren Teil meiner Übungszeit eingenommen und ziemlich demotiviert.
Der Onlinekurs ist unterteilt in Stufen mit je 60 Lektionen. Ich glaube insgesamt dreimal habe ich kurz nach dem Ende von Level 2 abgebrochen, das ganze monatelang liegen gelassen und dann wieder mehr oder weniger von vorn angefangen. Das lag bei den ersten Versuchen daran, dass ich die chinesische Schrift generell ziemlich vernachlässigt hatte. Je mehr Wörter aber in den Lektionen benutzt wurden, desto mehr Homophone gab es, desto schwieriger wurde es, die Wörter auseinanderzuhalten. Eine vernüftige Lernstrategie musste also her.
Wie die aussieht und vor allem mit welchem Programm ich die umsetze, steht demnächst im zweiten Teil.
